GALERIE SCHIPPER im INTERDRUCK
Presse: Informationsdienst Wissenschaft :: 07. 11. 2000
Kunst in der Klinik:
Abstraktion als Schule der Fantasie


Eine Ausstellung mit Werken des Hallenser Künstlers Hagen Bäcker zeigt die Chirurgische Klinik der Friedrich-Schiller-Universität von diesem Freitag (10.11.) an. Prof. Dr. Felix Schier, der Geschäftsführende Direktor der Klinik, eröffnet die Exposition um 18 Uhr in Anwesenheit des Künstlers, der anschließend bei einem kleinen Rundgang seine Werke auch kommentieren wird.

"Dass wir Hagen Bäcker für diese Ausstellung gewonnen haben, ist kein Zufall", erläutert Schier. "Zum einen habe ich vor einiger Zeit sein Kind operiert und ihn auf diese Weise kennengelernt. Zum anderen wissen wir, dass die fantasievolle Auseinandersetzung mit Kunstwerken natürlich auch einen therapeutischen Effekt auf unsere Patienten hat."

Der 37-jährige Bäcker absolvierte nach einer Schlosserlehre ein Studium an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein/Halle mit dem Schwerpunkt Metallbildhauerei und arbeitet heute als freier Künstler mit eigenem Atelier in Danstedt bei Halberstadt. Sein bevorzugtes Material für Plastiken ist Stahl, daneben auch Emaille, Glas und Keramik. Seine Jenaer Ausstellung gewährt indes einen umfänglichen Einblick in sein bildkünstlerisches Oeuvre, das - geschult an der klassischen Moderne - vordergründig abstrakten Charakter besitzt. Dabei stehen keine visionär festgelegten Bildideen am Beginn des Schöpfungsprozesses, sondern Bäcker verfolgt ästhetisch-konzeptionelle Stränge, die abstrakte Themenbezüge wie "Wahrnehmung", "Raum", "Durchdringung" oder "Rapport" herzustellen bzw. im Arbeitsprozess zu ergründen suchen - eine Schule der Fantasie.

Diesen "work in progress"-Charakter vermag der Betrachter insbesondere dann nachzuvollziehen, wenn am Ende kein Einzelbild, sondern eine ausdiverzierte Serie miteinander interagierender Bildwerke steht. Dabei offenbaren sich feine Bezugslinien: Bäckers Bilder, deren Gehalt nur augenscheinlich in Abstraktheit verschlossen, rätselhaft wirken, stehen offenbar im Dialog miteinander und öffnen sich bereitwillig der Fantasie des neugierig entspannten Betrachters. "Natürlich ist es reizvoll zu versuchen, diese Bilder konkret zu deuten", meint Prof. Felix Schier, "aber noch aufregender ist es für mich, die von Hagen Bäcker gelegte Fährte aufzunehmen und weiterzudenken."

Eine besondere Freude sei es für ihn, so der Kinderchirurg, bei dieser Bildrezeption Kinder zu beobachten, deren natürliche und kreative Offenheit oft verblüffende Kommentare erlaube. "Für uns ist diese Ausstellung ein Experiment, ein geistiges Abenteuer, das eigentlich nirgends besser passt als in diese Klinik."

Die Ausstellung mit Bildern von Hagen Bäcker in der Chirurgie des Jenaer Uni-Klinikums, Bachstr. 18, ist bis Mitte Januar nächsten Jahres täglich während der normalen Besuchszeiten der Klinik geöffnet. Gäste sind herzlich willkommen. Alle Bilder stehen übrigens zum Verkauf.

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